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Der Blog

Das hier ist ein Blog. Und heute schreibe ich darüber. Aber nicht über bestimmte Blogs, sondern im Allgemeinen und vor allem in Bezug zu den Geisteswissenschaften. In dieser Kategorie will ich ja versuchen die Formate der Wissenschaftskommunikation auf andere Wissenschaften zumindest mal in Gedanken anzuwenden. Bei einem Blog ist das jetzt aber recht einfach, nachdem ich meinen eigenen nun schon etwa anderthalb Monate betreibe.

Jeder hat vermutlich schon einmal gehört, dass Wikipedia nicht zuverlässig und auch nicht zitierfähig ist. Ich habe aber leider das Gefühl, dass sich der Blick auf Wikipedia auf das gesamte Internet ausgeweitet hat. Zugegeben: Im Internet stehen eine Menge Unfug, Halbwissen und auch fake news. Aber das heißt nicht, dass alles schlecht ist, und vor allem nicht, dass es immer so bleiben muss. Die Gesellschaft verändert sich und die Wissenschaft muss mit der Entwicklung Schritt halten.

Ich will nicht sagen, dass das Internet die klassische Form der Publikation als Buch ablösen soll (bitte nicht!), aber es kann eine wunderbare Ergänzung sein, ganz besonders in der Form von Blogs. Ein Blog zeichnet sich durch eine leichte Zugänglichkeit aus und bietet in aller Regel einen direkten Weg vom Autor zum Leser; im Bereich der Wissenschaft ist das der Weg vom Forscher zum Rezipienten, egal ob das Studierende, Interessierte oder Journalisten sind.

Vom Schreiben und Lesen

Geisteswissenschaftler haben an dieser Stelle vielleicht den kleinen Vorteil gegenüber den Naturwissenschaftlern, dass wir ohnehin sehr viel Text produzieren. Zum Vergleich: die Dissertationen von zwei Freunden von mir sind 108 Seiten (Materialwissenschaft) bzw. 230 Seiten (Theologie) lang, jeweils der reine Text ohne Anhänge und Verzeichnisse. Das Schreiben gehört also eher zu unserer Arbeit, wodurch der Schritt vom Aufsatz für die Fachzeitschrift hin zum Blogbeitrag kürzer sein müsste.

Das Problem ist dann aber die Frage nach den Sprachregistern, denn man kann nicht erwarten mit dem gleichen Stil an einen Blog herangehen zu können wie man an eine Fachpublikation herangehen würde. Die Leser einer Fachzeitschrift sind andere als die eines Blogs, zumal die Zugänglichkeit eine andere ist; ich habe noch kaum eine ernstzunehmende Fachzeitschrift am Kiosk gesehen, während eine kurze Anfrage bei Google eine wahre Fülle von Möglichkeiten eröffnet.

Vor allem aber ist es etwas leichter einen Blogbeitrag zu schreiben, selbst wenn man die gleiche Sprache wie in Aufsätzen verwendet. Den Unterschied macht hier vor allem die Länge aus, denn Blogbeiträge sind in aller Regel deutlich kürzer. Das wiederum heißt aber auch, dass man mit Fakten, Erkenntnissen oder Ergebnissen nicht erst lange warten muss um sie zu veröffentlichen. Ein Blog bietet hier die Chance, auch kurzfristig Beiträge zur Wissenschaft zu leisten, die dann von der Öffentlichkeit sogar leichter wahrgenommen werden können (entsprechende Vorleistung vorausgesetzt).

Blogs haben aber noch ganz andere Vorteile. Wie oben kurz beschrieben ist der direkte Weg vom Schreibtisch des Wissenschaftlers an den Schreibtisch des Lesers unglaublich kurz. Nur ein persönliches Gespräch wäre noch kürzer, bringt aber wieder eigene Probleme. Der Blogbeitrag dagegen kann vom Rezipienten in seinem oder ihrem eigenen Tempo gelesen werden, Dinge können kurz nachgeschlagen werden und eine Antwort kann auch entsprechend formuliert werden. Der Dialog mit der Öffentlichkeit wird dadurch unglaublich leicht, zumindest wenn man die Sache richtig angeht.

Nennen wir es mal Praxiserfahrungen…

Ich musste feststellen, dass mein ursprünglicher Plan mit relativ regelmäßigen Beiträgen nicht ganz so geklappt hat wie ich es mir gewünscht habe. Das lag in erster Linie zwar daran, dass mir verschiedene Sachen im Job dazwischenkamen, aber auch daran, dass mir schnell klar wurde, dass ich nicht immer so schreiben kann wie ich möchte. Die technischen Voraussetzungen waren recht einfach umzusetzen, was aber auch an einer gewissen Technikaffinität liegt, die andere Generationen eventuell nicht haben.

Eine Schwierigkeit ist aber noch immer, dass ich mir nicht sicher sein bin wie weit mein Blog eigentlich in die Welt hinausreicht. Die Kommentare, die ich bekomme, stammen bisher in der Regel von Spam-Bots oder Freunden, die Interaktion muss ich in jedem Fall noch verbessern, wenn ich den outreach erhöhen möchte. Wie ich das abgehen werde, muss ich aber noch herausfinden.

Ein Fazit zum Blog

Blogs sind in meinen Augen eine großartige Ergänzung zu den etablierten Publikationsstrategien. Einerseits bieten sie die direkte Kommunikationsmöglichkeit mit der Öffentlichkeit, wenn man diese denn schon erreicht hat, und andererseits ist es machbar auch Zwischenergebnisse zu veröffentlichen. An dieser Stelle aber ist noch fraglich, wie positiv eine solche Veröffentlichung aufgenommen werden würde, denn letztlich geht es auch immer noch um Reputation im Kreis der Kollegen.

Es ist aber selbstverständlich auch möglich, einen Blog lediglich als eine Art Tagebuch oder Notizbuch zu verwenden. Dann aber muss man aufpassen, dass die Öffentlichkeit diesen eben nicht wahrnimmt. Aber selbst mit einem so konzipierten Blog kann man bei Lesern das Interesse an Wissenschaft wecken oder fördern.

Ich hoffe, dass ich meine Gedanken klar rüberbringen konnte. Vielleicht ist das ja nun auch die Inspiration für andere Geisteswissenschaftler, einen eigenen Blog ins Leben zu rufen. Wer noch andere Inspiration benötigt, darf aber auch gerne bei anderen Blogs, natürlich auch denen von Naturwissenschaftlern, vorbeischauen. Schaut doch mal bei www.mirjamglessmer.com oder www.aliceinscied.com nach, die beiden einen großartigen Job machen und ohne die es diesen Blog hier vermutlich auch nicht geben würde. Wenn ihr noch Fragen oder Anregungen habt, schreibt sie gerne in die Kommentare!

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