comics pow

Super – Comics für die Wissenschaft

Falls ich das noch nie jemandem verraten habe: ich bin übrigens ein großer Freund von Comics. Fast egal, ob es sich um die epischen Geschichten aus Amerika (ich bevorzuge Marvel) oder um kurze Strips aus dem Internet handelt. Ich kann den meisten Comics etwas abgewinnen. Viele Comics greifen immer mal wieder wissenschaftliche Themen auf, es gibt aber auch solche, die sich komplett der Wissenschaft oder dem wissenschaftlichen Leben widmen, zum Beispiel “Piled Higher and Deeper”, besser bekannt als PhD Comics (hierzu gibt es sogar zwei Filme, die nach aktuellem Stand kostenlos zu sehen sind).

Der Begriff selbst ist dabei recht weit gefasst und unterscheidet sich auch regional deutlich, weshalb ich zunächst versuchen will, eine kurze Definition zu geben, was aber nicht ganz leicht wird, und anschließend zu analysieren, welche Formate sich möglicherweise besser eignen als andere. Viel Spaß mit meinen Gedanken!

Eine Frage der Definition

Wat is´ne Dampfmaschin´? Da stelle ma uns mal janz dumm, und sagen, en Dampfmaschin´ iss ne jroße, runde, schwarze Raum mit zwei Löchern. Durch das eine kommt der Dampf rein, un das andere krieje ma späta …” ist ein Zitat aus dem Film “Die Feuerzangenbowle”. Vermutlich kennt ihr alle den Film, wenn nicht, dann solltet ihr das nachholen. Die Herangehensweise zur Beantwortung der Frage ist dabei gar nicht mal so schlecht und funktioniert auch hier.

Stellen wir uns also mal ganz dumm und sagen: ein Comic ist eine Abfolge von Bildern, die eine Geschichte erzählen. Bilder sind recht klar, zu der Geschichte kommen wir später. Die Frage, die sich stellt, ist die nach der Länge. Wie lang ist so ein Comic eigentlich? Um das zu beantworten, muss man sich erstmal vergegenwärtigen, dass es verschiedene Formate gibt. Die wiederum unterscheiden sich teilweise stark in Länge und Gestaltung, manchmal sogar in der Leserichtung.

Welche Formate gibt es?

Vermutlich das bekannteste Format ist das aus Amerika stammende, das für Batman, die Avengers und andere Superhelden verwendet wird. Die Länge eines solchen Comicheftes liegt bei 22 oder 24 Seiten, was durchaus ausreicht um eine in sich geschlossene Geschichte zu erzählen. Natürlich gehen viele Geschichten auch über diese Anzahl hinaus, einige haben sicherlich auch weniger, aber für ein einzelnes Heft hat sich das zum Standard entwickelt.

Daneben existieren natürlich noch andere Formate, sehr prominent sind beispielsweise die kurzen Comicstrips aus Zeitungen (früher vor allem bekannt als sunday funnies) und aus dem Internet. In den meisten Fällen bestehen diese aus wenigen Panels, also einzelnen Bildern, in der Regel etwa 3-5. Sowas ist in etwa die Untergrenze für eine einzelne Seite im amerikanischen Format. Der Unterschied ist dabei, dass die kurzen Strips keine ausgefeilten Geschichten erzählen wollen, sondern den Fokus auf Momentaufnahmen legen.

Oftmals ist der Witz sehr pointiert und würde daher auf längeren Formaten nicht funktionieren. Aus deutschen Magazinen kennen wir dann auch noch die Einzelbild-Comics, die allerdings noch weiter fokussiert sind und damit für eine Geschichte vollkommen ausfallen.

Eine ganz besondere Möglichkeit wäre natürlich auch ein fließender Comic, der quasi aus nur einem Panel besteht, aber in verschiedene Abschnitte unterteilt ist, die untereinander verbunden sind. Ein Beispiel kann man sich auch bei dem Schöpfer der PhD Comics ansehen, nämlich in seinem Seitenprojekt. Es ist gewissermaßer ein wissenschaftliches Poster mit deutlich mehr Bildern und Grafiken als Text.

Formate wie die europäischen Comicbücher – ich erinnere nur an Asterix und Tim und Struppi – die Graphic Novels, Mangas und sicherlich noch weitere Formate verfolgen entweder über nur einen Band oder über unzählig viele eine fortlaufende Geschichte, die oft auch Rückgriffe auf vergangene Ausgaben macht; das ist natürlich auch bei den “normalen” Heften möglich, aber der Unterschied liegt hier auch im Umfang: der aktuellste Asterix-Band kommt auf 48 Seiten und ist in sich geschlossen, die Graphic Novel Watchmen kommt in der Deluxe-Ausgabe auf 448 Seiten und ist dennoch in sich geschlossen, ein Band des Mangas Detektiv Conan kommt auf 192 Seiten und die Fans wären sicher froh, wenn die Geschichte irgendwann mal beendet ist.

Am ehesten kommt hier sicherlich noch das Asterix-Format für die Wissenschaftskommunikation in Frage, doch auch 48 Seiten müssen erst einmal gefüllt werden ohne den Leser zu langweilen. Es wäre natürlich durchaus möglich einen solchen Band zu unterteilen und 4×12 Seiten zu verwenden, aber dann benötigt man eben auch 4 Geschichten bzw. Themen.

Ein Fazit zu den Comics in der WissKomm

Es müssen nicht immer hochtrabende Formate sein, wenn es um die eigene Forschung geht, nicht immer das Fachbuch oder der Fachartikel. Vor allem bei Themen, die eine breitere Massen interessieren, bieten sich illustrierte Formate an. Das letztlich gewählte Format hängt von den Inhalten ab, die man vermitteln möchte, und ihrer Komplexität.

In jedem Fall muss man die eigene Forschung aber auf wesentliche Punkte herunterbrechen, von denen man dann ausgehen und sie wieder auf andere Ebenen entwickeln kann. Herunterbrechen funktioniert ganz gut mit einem Elevator Pitch, den man nur für sich selbst einübt. Eine gute Stufe schwieriger ist dann das Storytelling, denn nur Grundgedanken in Bilder zu stopfen, das kann man auch auf wissenschaftlichen Postern sehen.

Einer der schwersten Punkte könnte sein, einen geeigneten und engagierten Zeichner oder Künstler zu finden, der das Projekt von Anfang bis Ende begleitet. Soweit ich informiert bin, arbeiten die aber auf jeden Fall nicht umsonst. Auch die Suche nach einem passenden Verlag könnte schwierig werden, denn der durchschnittliche Wissenschaftler kennt ja seine Verlage, in denen das Fach publiziert. Und andererseits haben Verlage auch wiederum ein gewisses Portfolio an Comics und nehmen nicht alles in ihr Programm auf.

Ein wissenschaftlicher Comic, mit dem man Themen für das Auge angenehm und dennoch fachgerecht präsentiert, ist sicherlich eine schwierige Aufgabe. Aber meiner Meinung nach kann sich ein solches Projekt durch aus lohnen, wenn man die Komponenten gut plant und auch mit ein wenig Herzblut dabei ist. Lieblos hingeworfene Comics möchte nun wirklich niemand lesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.