Fußball und U-Boote

Was haben Fußball und U-Boote gemeinsam? Was wie ein schlechter Witz anfängt, hat einen ziemlich spannenden Hintergrund, der aber auch eine gute Portion Humor beinhaltet. Zu Fußball muss ich vermutlich nicht allzu viel sagen. Das ist das Spiel mit den 22 Leuten und den zwei halben Hamsterkäfigen auf einer blumenfreien Wiese. Wenn ich jetzt aber vom U-Boot rede, meine ich nicht den Stahlkoloss unter Wasser, sondern einen Lexikonartikel.

„Wie, was, Lexikon-Artikel, was willst du von mir?“ Naja, dazu muss ich ein bisschen ausholen. Unter U-Boot, Nihilartikel oder einfach „fingierter Lexikonartikel“ versteht man einen frei erfundenen Eintrag in einem Lexikon, der sich mit Dingen oder Personen befasst, die so gar nicht existieren. Der Stil ist dabei so dicht wie nur möglich an gewöhnlichen Artikeln dran, damit die Fälschung nicht auffällt. Da die thematisierte Sache oder Person nicht real existiert, muss man also per Zufall auf den Artikel stoßen, sonst bleibt er einfach unentdeckt; es gibt aber auch andere Beispiele, die sehr leicht zu finden sind.

Der Artikel, den ich euch präsentieren möchte, ist einer, der in der Altertumsforschung einige Berühmtheit erlangt hat. Meiner Meinung nach sollte zumindest jeder Studierende dieser Fachrichtung und alle Forscher diesen Artikel kennen. Aber auch alle anderen können den gerne als Eisbrecher auf Parties benutzen: „Hey, hast du schon gewusst, dass…“ (und genau das ist der Sinn meiner neuen Rubrik #TheMoreYouKnow).

Zurück zum Fußball…

Aber von Anfang an: In den 1990er wurde „Der Neue Pauly“, die Enzyklopädie der Antike, auf den Markt gebracht. In den 15 Bänden findet man so gut wie jedes Thema und jedes Stichwort (ich habe aber auch schon verzweifelt nach einigen gesucht und wurde enttäuscht). Beteiligt waren so unglaublich viele Menschen, dass eine Auflistung völlig sinnlos wäre. Aber einer von ihnen war der damalige Student Mischa Meier, heute Professor in Tübingen. Dieser erstellte für seinen Professor einige Artikel und hatte dabei die Idee, auch die fiktive Sportart – und jetzt ganz genau aufpassen – Apopudobalia näher darzustellen. Auf das Wort gehe ich gleich noch genauer ein.

Blöd für den Verlag war es dann, dass Zeitdruck das Finden dieses Artikels verhinderte. Erst als einige Leserbriefe über die falsche Wortbildung eingingen, kam man der Sache auf die Schliche; der Witz und die Ironie wurden dabei noch gar nicht wirklich entdeckt. Zunächst wollte man Mischa Meier die Kosten für die Vernichtung der gedruckten Exemplare aufdrücken (leider weiß ich nicht, wie hoch die Rechnung gewesen wäre), aber nachdem sich einige Historiker mit einem Sinn für Humor für den Verbleib des Artikels aussprachen, ließ man es dann doch auf sich beruhen. In die englische Fassung hat der Artikel es übrigens nicht geschafft, aber der zuständige Verlag spielte mit dem Gedanken, einen anderen Scherzartikel hinzuzufügen.

… und zum Inhalt

Was steht jetzt eigentlich in dem Artikel? Der Artikel – übrigens auch online zu finden, wenn man richtig sucht – behandelt die angeblich antike Sportart Apopudobalia, die als Vorläufer des Fußballs angesehen werden konnte. Sie wird an verschiedenen Stellen bei antiken Autoren angeblich belegt, aber entweder ist der Name des Autors fiktiv, das Werk zwar bekannt, aber von anderen Autoren oder schlichtweg zu kurz für die zitierte Stelle. Die Verbreitung der Sportart geschah, laut Meier, durch die römischen Legionen und kam im 1./2. Jahrhundert n. Chr. auch in Britannien an, von wo aus es im 19. Jahrhundert dann wieder Verbreitung fand.

Wesentlich seien für die Beschäftigung mit dem Thema zwei moderne Werke. Einerseits ein Beitrag in der „Zeitschrift für Antike und Sport“, die es aber gar nicht gibt. Auch der Name B. Pedes ist völlig fiktiv, zumal pedes aus dem Lateinischen kommt und Füße bedeutet. Andererseits (und meiner Meinung nach viel witziger) ist es eine Festschrift für einen gewissen M. Sammer, die von A. Pila herausgegeben wurde. Pila ist wie pedes aus dem Lateinischen, heißt aber Ball; Matthias Sammer sollte dem geneigten Fußballfan auch so ein Begriff sein (für alle anderen: Deutschlands Fußballer der Jahre 1995 und 1996, Gewinner der Champions League mit dem BVB 1997 und so weiter).

Und was ist das Problem des Wortes? An dieser Stelle möge man mir verzeihen, wenn es etwas ungenau wird, aber ich bin kein Philologe und kann es nur wiedergeben, aber nicht detailliert erläutern: die Endung ist falsch gebildet worden, wenn man eine gewisse Zeit der Entstehung des Wortes annimmt, aber letztlich finden sich ohnehin wenige Worte mit der Endung -balia. Auch den Wortteil -pud- scheint es in keiner Form, auch nicht in Dialekten des Altgriechischen, zu geben. Ich hoffe, dass das einigermaßen verständlich und ausreichend war. Wenn nicht, kann ich nur hoffen, dass sich das hier jemand durchliest und mir eine bessere Erläuterung zukommen lässt.

Und übrigens…

Zum Abschluss noch ein bisschen Wissenschaftlichkeit: Sport hat es in der Antike natürlich trotzdem gegeben, etwa Harpaston bzw. Harpastum. Dabei handelte es sich um ein Spiel, das dem modernen Rugby und Handball einigermaßen ähnlich ist. Soll an dieser Stelle aber auch reichen…

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