römische münzen

“Haste mal ‘nen Sesterz?” Altersvorsorge in der Antike

Riester und Rürup, Anlageberatung und Bausparvertrag… ich habe mich vor einiger Zeit wieder intensiver mit der Altersvorsorge auseinandergesetzt (wird ja auch mal Zeit, nicht wahr?) und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich echt froh bin, dass es für sowas Spezialisten gibt. Ich bleib dann doch lieber bei der Antike. Aber da fragt man sich doch vielleicht: Gab es sowas wie Altersvorsorge, Rentenkassen und dergleichen in der Antike eigentlich?

Die etwas enttäuschende Antwort: zu den Griechen der Antike kann ich nichts sagen. Ich kann auch nicht sagen, wie die modernen Griechen die Sache handhaben oder ob das Land immer weiter den Bach runter geht. Aber die gute Antwort: zu den Römern kann ich was sagen!

Wenn der Sesterz fehlt… Altersarmut!

Zunächst will ich mal festhalten: Altersarmut ist heute ein großes Problem, in der Antike war es das aber auch schon. Die Menschheit halt also seit Jahrhunderten nichts an diesem Zustand geändert und, da bin ich ehrlich, wird die Sache auch nicht so schnell flächendeckend regeln können.

„Ich klatsche mir daheim selbst Beifall, sobald ich die Goldstücke in der Truhe anschaue“ schreibt Horaz über einen (hoffentlich) fiktiven Athener, dessen Geldgier unglaubliche Züge angenommen hat. Letztlich hat dieser alte Mann aber einiges richtig gemacht, denn die Armut im Alter betraf ihn wohl nicht. Im Gegensatz zur heutigen Zeit setzte man sich damals zur Ruhe, wenn man es wollte oder (und das kam deutlich öfter vor) wenn man schlicht und ergreifend nicht mehr arbeiten konnte. Eine Rente oder Pension gab es in der Form nicht.

Rettung naht! Altersvorsorge in der Antike durch pietas

Was es allerdings gab, war die pietas. Heute wird es gerne mit Frömmigkeit übersetzt, aber das trifft nicht ganz zu, denn der Begriff umfasste noch viel mehr. Viel eher passt der Begriff des Pflichtbewusstseins und in diesem speziellen Fall heißt das, dass Jüngere durchaus auch für ihre Alten zu sorgen hatten, denn das gehörte sich nun mal so. Es ist also eine Form von Altersvorsorge, für die eigenen Kinder zu sorgen.

Wenn die Kinder das allerdings nicht tun wollten, konnten die Eltern ziemliche Probleme bekommen. Das führte mit der Zeit so weit, dass per Gesetz und unter Hinweis auf die pietas verlangt wurde, dass sich die Kinder um ihre Eltern kümmern. Wenn es ganz schlecht lief, dann mussten selbst die Erben der Kinder noch einspringen.

Insgesamt waren aber wohl nicht so viele Menschen von Altersarmut betroffen, denn die Lebenserwartung war etwas geringer als heute. Man kann annehmen, dass zwischen 55 und 65 Jahren das Ende eines Menschenlebens liegen konnte, höheres Alter war wohl die Ausnahme, aber in besseren Kreisen nicht völlig unüblich.

Noch ein paar Worte zur Kaufkraft

Ihr fragt euch jetzt vielleicht noch, was man eigentlich für ein paar Münzen in Rom kaufen konnte. Die Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten, weil es auf viele Faktoren ankommt: Zeit, politische Stabilität, wirtschaftliche Gesamtsituation und ein paar mehr. Dann kommt es natürlich auch noch auf die fraglichen Münzen an, denn nicht alle Nominale waren überall gleich vertreten.

Leider geben auch nur wenige Quellen echte und stichhaltige Hinweise auf die Lohnbedingungen und die Kaufkraft. Aber ein paar Dinge lassen sich herausfinden: Im Osten des Römischen Reiches konnte ein Arbeiter auf dem Weinberg, so erzählt es die Bibel im Matthäus-Evangelium, einen Silbergroschen, also einen Denar verdienen. Bei angenommenen 300 Arbeitstagen im Jahr sind das dann 300 Denare bzw. 1200 Sesterzen.

Und was kann man davon jetzt kaufen? Leider kann ich keine Angaben finden, die sich zeitlich exakt mit dem Arbeitslohn decken, aber um 70 n. Chr. bekam man für mindestens 300 Sesterzen einen culleus Wein, das entspricht 520 Litern. Für den einen Sesterz den man bekäme, wenn man “Haste mal ‘nen Sesterz” fragen würde, bekäme man also etwas mehr als 1,7 Liter Wein. Da darf dann jetzt jeder selbst ausrechnen, ob sich das für den eigenen Genuss heute lohnt und ob ein Sesterz für die Altersvorsorge ausreicht.

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