Ist Antike noch wichtig

Ist Antike noch wichtig?!

Ist Antike noch wichtig, die Frage kann man sich ruhig mal stellen. Aber das gilt ja auch für viele andere Fragen, die in eine ähnliche Richtung zielen, zum Beispiel „Sind Geschwindigkeitsbegrenzungen noch zeitgemäß?“, „Brauchen wir wirklich einen neuen Berliner Flughafen?“, „Musst du wirklich noch ein Paar Schuhe kaufen?“ oder „Hast du nicht schon genug getrunken?!“. Die Antworten werden immer unterschiedlich ausfallen, „pro“ sagen die einen, „contra“ die anderen.

Ich bin bei der Frage vielleicht ein wenig voreingenommen, aber ich bin mir sicher, dass die Antike heute noch eine Menge zu bieten hat und daher auch wichtig ist. Ansonsten würde ich mich vermutlich auch nicht dafür begeistern und mich tagtäglich mit der Antike in ihren vielen Ausprägungen befassen. Aber weil vermutlich (oder hoffentlich) niemand in meinen Kopf schauen kann, muss ich die Frage hier auch von meinem Standpunkt aus beantworten.

Um es kurz zu machen: Die Antike ist überall um uns herum und begleitet uns zu jeder Zeit. Mal ganz offen zu sehen, aber kaum wahrgenommen, und mal so verborgen, dass wir wirklich darüber nachdenken müssen. Es fängt ja manchmal schon mit den Urlaubsplanungen an. Wer sich im Sommer an der Ägäis oder an der Adria in die Sonne legt, denkt vermutlich nicht wirklich darüber nach, dass die Antike an genau dieser Stelle so unglaublich präsent war. Vielleicht stehen nur wenige Meter weiter beeindruckende Ruinen, aber die eigenen Augenlider zu betrachten, während man im heißen Sand liegt, kann natürlich auch ganz nett sein.

Antike vor Ort

Aber manchmal muss es gar nicht die Reise in die Ferne sein. Wer aus Süddeutschland kommt, erlebt es täglich, Besucher dagegen nur dann, wenn sie da sind. Viele Städte im Süden der Bundesrepublik (von der Schweiz und Österreich will ich gar nicht erst anfangen) gehen auf Gründungen der Römer zurück. Augsburg, Köln, Koblenz, Trier, Kempten gehen alle zurück auf römische Siedlungen oder Militärlager. Entsprechend lassen sich auch heute im Stadtbild noch Rest davon erkennen, mehr oder weniger frei zugänglich – zum Beispiel die Pfeiler der Römerbrücke in Trier – oder als Museum – der Archäologische Park Xanten etwa.

In Museen findet man Statuen aus der gesamten Antike, aufgestellt um betrachtet zu werden und zu zeigen, dass die Antike wunderbare Kunst hervorgebracht hat. Ob nun in der Stadt, im archäologischen Park oder im Museum: überall werden die Kunstwerke und die Architektur der Antike angeschaut, fotografiert, bewundert. Aber das ist natürlich nur ein Aspekt der Antike.

Antike im täglichen Gebrauch

Ein sehr subtiler Aspekt der Wichtigkeit der Antike ist aber wirklich allgegenwärtig und die wenigsten werden allzu viele Gedanken daran verschwendet haben: die Sprache. Ich meine damit nicht philosophische Texte von Platon, lateinische Sprichwörter als grausig hässliche Tattoos oder Speisenkarten beim Griechen um die Ecke. Viel eher meine ich die Benutzung von Worten, die uns eigentlich sehr modern erscheinen, aber ihren Ursprung vor vielen Jahrhunderten haben. „Demokratie“ zum Beispiel ein griechisches Wort. Ich „argumentiere“ hier für die Wichtigkeit der Antike. Der Bayer flucht gerne mit „Kruzifix noch amol!“ und nutzt auch damit ein lateinisches Lehnwort (crux, crucis, „das Kreuz“). Auch Vergleiche zur Antike werden, oft von Politikern, manchmal herangezogen. Eines der aktuellsten Beispiele ist die Rede des irischen Premierministers, der „Athena für Johnsons Herakles“ sein wollte. Die Interpretation lasse ich jetzt einfach mal dahingestellt.

„Demokratie“ ist aber ein zu schönes Beispiel, um es nicht noch kurz auszuführen. Wer heute an Demokratie denkt, denkt an Freiheit, Selbstbestimmung und gleiche Rechte für alle und jeden, unabhängig von Alter, Geschlecht, Einkommen und so weiter. Und oft genug wird auf diese noblen Werte verwiesen, besonders dann, wenn wieder die Gefährdung der Demokratie angemahnt wird. Vergessen wird dabei aber oft, dass es auch in der antiken Demokratie noch immer Sklaverei gab. Wählen durften nur die volljährigen Männer und man musste sich ohnehin voll und ganz der Aufrechterhaltung der Demokratie verschreiben, komme was wolle. Mit ein bisschen mehr Bildung hinsichtlich der Antike, würden solche sehr platten Vergleiche vielleicht weniger werden.

Eines der großen Probleme ist aber auch, dass in der Schule kaum mehr Wert gelegt wird auf die Vermittlung der Antike. Im Geschichtsunterricht kommt es sehr oft viel zu kurz, im Lateinunterricht dient sie als „Trägersubstanz“, aber die Sprache steht deutlich im Vordergrund. Redet man im Unterricht über Politik, redet man über Demokratie und erwähnt dabei vermutlich zuerst Athen, dann die Revolutionen in Frankreich und den USA, dann die Revolution von 1848 und schließlich das Grundgesetz ab 1949. Viel mehr Antike wird sich kaum in den Lehrplänen finden lassen und das ist sehr schade.

Ist Antike noch wichtig? Ein Fazit

Die Antike ist wirklich allgegenwärtig, wird aber zu oft nicht wahrgenommen oder erkannt. Es liegt jetzt aber vor allem an den Historikern, den Archäologen, den Lateinlehrern und allen anderen, die sich mit dieser spannenden Zeit befassen, aus dem Schatten zu treten und zu zeigen, dass das Fach, mit dem wir uns jeden Tag befassen, weil es uns eben so fasziniert, noch immer wichtig ist und seinen Wert nie verloren hat. Viele Wissenschaften gehen mit noch so banalen Erkenntnissen in die Öffentlichkeit und nehmen sich die Beachtung, die sie wollen. Altertumswissenschaftler bleiben bisher im stillen Kämmerlein, aber das muss sich ändern lassen. Ich versuche das mit diesem Blog einfach weiterhin, andere dürfen sich gerne inspirieren lassen.

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