Dieser Kommentar verdient auf jeden Fall eine Antwort!

Vor ein paar Tagen habe ich hier mit einer neuen Reihe begonnen und da im Intro-Artikel einen Kommentar bekommen, auf den ich gerne gebührend antworten möchte, denn der verdient auf jeden Fall eine Antwort. Hier einmal der Kommentar als Zitat:

“Hey Sascha! Finde ich total gut die Idee! Ich bin immer wieder mit mir am Hadern, ob ich mir mal irgendwann den Spaß erlaube, mich wissenschaftskommunikativ mit meinem eigenen Diss-Thema auseinandersetzen möchte – einen Blog fand ich da sehr ansprechend, weiß aber auch, wie zeitintensiv das neben den 100 anderen Dingen, die man zu tun hat, ist. Wäre gespannt auch von Dir zu hören, wie Du das zeitlich eigentlich hinbekommst und ob Du dafür gute Routinen findest. (…)

Es gibt eine Professorin für Hochschullehre an der Hamburger Uni, die führt auch einen Blog – quasi ein bisschen als öffentliches Notizbuch (https://gabi-reinmann.de/) Manchmal hab ich bei der aber das Gefühl, dass es sich schon sehr an eine Fachcommunity richtet (auch kein doofer Gedanke, aber wenn Wissenschaft nach außen getragen werden soll vielleicht doch noch nicht das Wahre). (…)

Nun gut, also da kommen ja schon einige Punkte auf mich zu, daher werde ich einfach mal der Reihe nach auf einzelne Dinge eingehen. Erstmal Danke für den Kommentar, denn ich freue mich immer, wenn meine Beiträge hier nicht nur gelesen, sondern auch kommentiert werden – nur der Spam von neulich war unschön, ich habe ihn aber schnell gelöscht.

UAwg – Um Antwort wird gebeten

Wenn jemand mit dem Thema seiner oder ihrer Dissertation an die Öffentlichkeit gehen will, dann finde ich das immer gut. Es stört mich schon manchmal, wenn ich über Uni-Seiten browse und dann keine Informationen über die Abschlussarbeiten finde. Oftmals sind da echt spannende Sachen dabei, über die ich gerne mehr wissen möchte. Wenigstens ein Arbeitstitel sollte drin sein, aber der fehlt sogar bei meinem Institut. Da muss ich dringend mal ein wenig Anregung geben, damit wir das ändern.

Je relevanter das Thema der Dissertation für die Gesellschaft ist, desto wichtiger ist es auch, dass das Thema öffentlich wird, zumal sich damit auch Grundlagen für die spätere Karriere legen lassen – denn irgendwo sucht immer irgendjemand nach exakt diesem Thema und dann hat der potenzielle Arbeitgeber auch direkt einen Namen dazu. Mein Rat daher: Raus mit dem Thema an die Öffentlichkeit!

Raus damit – aber mit Bedacht!

Das klingt jetzt natürlich einfach, ist es aber leider nicht. In erster Linie ist der Autor – also in diesem Fall der Doktorand bzw. die Doktorandin – schon zu Beginn die schwierigste Hürde. Die setzt sich aus mehrere Teilen zusammen. Erstmal natürlich der innere Schweinehund, der bezwungen werden muss. Ohne den Wunsch, an die Öffentlichkeit zu gehen, kann die Sache gar nicht funktionieren. Als nächstes muss die Begeisterung für das Thema natürlich da sein. Jetzt kann man denken: “Ich forsche daran und schreibe täglich, natürlich bin ich von dem Thema begeistert!”

Wirklich? Täglich schreiben und forschen ist nur leider kein eindeutiger Hinweis darauf, ob man selbst die Begeisterung mitbringt, die das Thema vielleicht verdient. Eine Möglichkeit das herauszufinden, wäre zum Beispiel der Elevator-Pitch, den man aber dann nur für sich selbst einmal erprobt. Geht dir das leicht von der Hand und sprühst du nur so vor Energie? Dann herzlichen Glückwunsch, du brennst wohl wirklich für dein Thema. Und das ist dann auch die Chance, deine Begeisterung auf andere zu übertragen und die Wichtigkeit deiner Forschung darzustellen!

Ein letzter Punkt ist dann das Wissen um die Formate der Verbreitung – und die Fähigkeit, diese auch umzusetzen. Ein Blog ist sicher eine gute Idee, wenn man viele kleinteilige Aspekte immer wieder häppchenweise freilassen möchte, aber mehr dazu in einem der kommenden Beiträge hier. Andererseits kann man natürlich auch andere Formen wählen, etwa einen Science Slam, Videos, Social Media, einen Podcast oder oder oder. Die Möglichkeiten sind vielfältig und es kommt nur auf den Forscher bzw. die Forscherin an, in welcher Form das Thema die Öffentlichkeit erreichen soll (das Thema sollte dabei aber auch zum Format passen, sonst wird es zu schwierig).

Ein paar wenige Worte zu Blogs

Wie man einen Blog verwendet, steht zum Glück nirgends geschrieben. Ob es sich beim Blog um ein kleines Tagebuch der eigenen Forschung, ein Notizbuch für Notfälle, eine Plattform für die Öffentlichkeitsarbeit oder um eine Mischung aus den genannten Sachen handelt, liegt dabei nur an einer Person: dem Blogger/der Bloggerin. Selbst eine Foto-Love-Story mit sich selbst und der Dissertation als Protagonisten wäre denkbar (und vermutlich sogar höllisch lustig).

Daher ist die Verwendung ihres Blogs durch Prof. Gabi Reinmann (Link siehe oben) auch völlig in Ordnung. Es mag gewöhnungsbedürftig sein, wenn man es liest, weil es nicht dem eigenen Empfinden des Blogging entspricht, aber das ist eben das Gute an Blogs: Jeder Autor hat absolute Freiheit über die Ausgestaltung. Und das ist auch gut so. Wie es dort mit Kommentaren aussieht, habe ich jetzt nicht überprüft.

Auch das Zielpublikum ist allein vom Blogger oder von der Bloggerin abhängig und hängt mit der eigenen Vorstellung zusammen. Man könnte auch einen Fach-Blog einrichten, die Frage ist dann nur, ob sich der Zeitaufwand lohnt oder ob man nicht die gleichen Inhalte in einer Fachpublikation unterbringen könnte.

Ein Fazit zum Kommentar

Eine Frage habe ich bisher ganz entspannt umschifft und mir für den Schluss aufgehoben. Nicht, weil ich der Frage ausweichen wollte, sondern weil ich so die Spannung aufrecht erhalten kann. Im Kommentar war die Frage: Wie bekomme ich das zeitlich eigentlich hin und habe ich irgendwelche Routinen?

Der Zeitfaktor ist tatsächlich ein schwieriges Thema. Bevor ich den Blog gestartet habe, habe ich schon viel Zeit in die Planung gesteckt und dabei einige Beiträge schon vorgeschrieben. Jetzt allerdings ist meine Pipeline leer und das hier ist der erste Beitrag, der im Live-Betrieb entsteht. Ich habe natürlich noch einige Themen auf Lager, die ich abarbeiten möchte, sonst wären die zwei neuen Kategorien schon vorbei und sehr sinnlos gewesen. Aber ich muss auch die Zeit finden, die Inhalte zu recherchieren (zumindest teilweise) und die Beiträge dann zu schreiben.

Aktuell kommt hinzu, dass ich wieder in die Lehre an der Uni eingestiegen bin und die Kurse vorzubereiten hatte und noch an einigen Stellen verbessern oder vervollständigen muss. Es könnte also leider etwas ruhiger im Blog werden, weil ich die Frequenz wohl nicht aufrecht halten kann. Eine Routine habe ich noch nicht entwickelt, aber ich bin zuversichtlich, dass ich das demnächst machen kann.

Ich hoffe, ich habe alle Fragen aus dem Kommentar zur Zufriedenheit beantworten können. Falls dem nicht so ist, dann schreibt gerne weitere Fragen in die Kommentare oder bittet mich um mehr Details. Ich halte euch gerne auf dem Laufenden!