Mythos der weißen Statuen

Der Mythos der weißen Statuen

In meinem letzten Beitrag habe ich schon von den wunderbaren Statuen in Museen geschrieben, die zeigen, dass die Antike wirklich überall zu finden ist. Seien es antike Politiker oder Figuren aus einem Mythos. Viel eindrucksvoller sind aber sicher die öffentlich ausgestellten Statuen im Kontext ihrer ursprünglichen Aufstellung: in Rom, Athen, Delphi oder an anderen Orten stehen herrlich weiße Statuen nahe an herrlich weißen Gebäuden. Aber halt… wieso eigentlich weiß?! Gehen wir dem Mythos der weißen Statuen mal auf den Grund.

Das Meme eines unbekannten Autors oben zeigt eigentlich sehr gut, was ich in diesem Artikel behandeln möchte. Denn kaum ein Betrachter von Statuen, zumindest was die Laien angeht, macht sich Gedanken über die Farbe oder das Fehlen von Farbe an den wunderbaren Marmorstatuen. Um das mal ganz einfach darzustellen, reicht ein kurzes Beispiel: Wer schon einmal Urlaub in Italien, Spanien oder Griechenland gemacht hat (oder an anderen Orten, an denen die Sonne im besten Fall sehr intensiv vom Himmel brennt), der hat es vielleicht schon mal erlebt… es ist einfach unglaublich hell!

Und jetzt stellt euch vor, ihr seid in der Antike und geht von A nach B, wobei B ein großes Heiligtum ist. Ihr nähert euch am helllichten Tag diesem Heiligtum, die Sonne gibt ihr allerbestes und scheint mit hoher Intensität. Es sind ungefähr 35 Grad im Schatten, aber auch der Schatten ist gerade nur ein Mythos. Vor euch breitet sich das Heiligtum mit seinen Marmorgebäuden und -statuen aus und ZACK! Ihr seid blind, weil die Sonne vom weißen Marmor so unglaublich stark reflektiert wird.

Farben und Fakten – Der Mythos widerlegt

Dieses kurze Gedankenexperiment (verbunden mit Urlaubserinnerungen) macht hoffentlich schnell klar, dass die Statuen und Gebäude vermutlich nicht völlig weiß gewesen sind. Immer seltener kann man an den Originalen noch ausmachen, dass sie bunt bemalt waren (an Stellen, die der Witterung nicht so stark ausgesetzt sind), doch zum Glück haben wir heute andere Hilfsmittel. Durch Beleuchtung mit UV-Licht lassen sich Farbreste „sichtbar“ machen, chemische Analysen geben Aufschluss über die verwendeten Materialien. Zinnober und Hämatit wurden für Rottöne verwendet, aus Azurit entstanden verschiedene Blautöne, bestimmte Arsenverbindungen erzeugten ein kräftiges Gelb und Ruß aus verbranntem Material, meist organisch, sorgte für schwarze Farbe.

So konnte eine Statue (oder eben ein Gebäude, bei denen man übrigens schon länger sicher war, dass sie farbig waren) durch verschiedene Materialien unterschiedlich akzentuiert werden, doch auch darüber hinaus kamen verschiedene Techniken zum Einsatz, um die blendend weiße Farbe des Marmors zu überdecken: Gold und Elfenbein beispielsweise sind mehrfach belegt, teilweise auch anstelle des Marmors. So bestand die Statue der Athena Parthenos auf der Athener Akropolis aus einem Holzgerüst, auf das Bronze- und Goldplättchen und Elfenbein aufgenagelt wurden. Um dann noch den Augen der Statuen mehr Ausdruck zu verleihen, wurden hier Halbedelsteine einsetzt.

Bei Bronzestatuen verhält es sich ähnlich, weshalb man nicht nur die Farbe des Marmors zur Erklärung der Bemalung heranziehen kann. Es muss auch ästhetische Gründe gehabt haben, über die in der Forschung aber vermutlich keine Einigkeit besteht. Es ändert aber nichts daran, dass in Museen auch immer öfter bunte Rekonstruktionen zu finden sind, die den Besuchern verdeutlichen sollen, dass die Antike bunt war und die Bilder aus Filmen als „künstlerische Freiheit“ angesehen werden müssen.

Wenn wir schon bei Filmen sind, dann möchte ich euch diese Dokumentation noch ans Herz legen, in die ihr gerne mal reinschauen könnt. Hier wird mit diesem Mythos aufgeräumt und die Angelegenheit noch einmal filmisch aufgearbeitet. Hier geht es zur Info-Seite, der Film scheint aktuell nicht mehr verfügbar zu sein, aber ich halte die Augen offen. Wenn ihr den Film findet, gebt mir gerne Bescheid, entweder per Mail oder hier als Kommentar.

3 Replies to “Der Mythos der weißen Statuen”

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