Wundersame Heilungen aus Epidauros (Teil 2)

Im letzten Post habe ich schon ein paar Geschichten von Wunderheilungen aus Epidauros nacherzählt. Heute kommen noch ein paar Schmankerl hinzu, die euch hoffentlich ebenso zum lachen bringen werden wie mich. Diesmal geht es um Schlangen, Hunde, abgeschlagene Köpfe und einen Boxer – und eine Überraschung.

Doppelherz ist so 90er, lieber Schlangen und Hunde aus Epidauros

Dass Schlangen auch besondere Heilfähigkeiten haben (vielleicht haben sie die mittlerweile verloren, ich kenne nicht genügend Schlangen um das beurteilen zu können), hat die letzte Geschichte im ersten Beitrag gezeigt. In einem anderen Fall wissen wir aber, wie sie diese Skills einsetzen können. Melissa hatte ein Geschwür an der Hand und kam ins Heiligtum von Epidauros. Während ihr Gepäck abgeladen wurde, nistete sich eine Viper in der Matratze ein. Als Melissa sich zum Schlafen darauf legen wollte, kam die Viper wieder heraus, biss in das Geschwür und machte sie so wieder gesund.

Wem die Begegnung mit Schlangen nicht geheuer ist, der kann in den Heiligtümern aber auch auf andere tierische Hilfe treffen. Ein Knabe aus Aigina etwa hatte ein ähnliches Problem wie Melissa, sein „Gewächs“ (Zitat) war aber am Hals. Schlafen musste er auch nicht, denn als er das Heiligtum betrat, kam einer der heiligen Hunde zu ihm und leckte über das Geschwür, wodurch der Junge gesund wurde. Ein bisschen eklig? Ja. Echt faszinierend? Auf jeden Fall!

Was Kopfschmerzen mit Meistertiteln zu tun haben

Aber auch Asklepios selbst hat natürlich echt herausragende Fähigkeiten, wie die Geschichte von Arate zeigt. Diese war so krank, dass ihre Mutter für sie in Epidauros um die Heilung ihrer Wassersucht bat. Ihre Mutter sah im Traum, wie Asklepios ihrer Tochter den Kopf abschnitt und den Körper mit dem nun offenen Hals nach unten aufhängte. Nachdem eine größere Menge Flüssigkeit – die zum Glück nicht näher beschrieben wird – ausgeflossen war, hat er sie wieder abgehängt und den Kopf wieder auf den Hals gesetzt. Ihre Mutter kehrte dann in die Heimat zurück, wo sie ihre Tochter vollkommen gesund antraf – diese hatte den genau gleichen Traum gehabt.

Aber die Heilung auf Entfernung über ein Medium ist nicht die einzige Fähigkeit, die Asklepios hat. Hegestratos zum Beispiel kam mit Kopfschmerzen in das Heiligtum. Diese waren so stark, dass er deswegen auch unter Schlaflosigkeit litt. Die Behandlung war erstmal die gleiche wie immer: einmal schlafen im Heilraum, bitte. Der Traum war dagegen etwas anders und ich kann wirklich nicht sagen, wie diese Situation zustande gekommen sein könnte.

Im Traum heilte Asklepios das Kopfweh von Hegestratos, stellte ihn aufrecht und nackt hin und zeigt ihm die Auslage, wie sie im Ringfaustkampf ausgeführt wird – Asklepios als Boxlehrer und vielleicht sogar als Sparringspartner. Das scheint so unfassbar gut funktioniert zu haben, dass die Inschrift auch noch erwähnt, dass Hegestratos einige Zeit später Sieger im Ringfaustkampf bei den Nemeischen Spielen wurde. Im Gegensatz zu den Siegern bei den Olympischen Spielen bekamen die Sieger hier einen Selleriekranz.

Ein Gimmick zum Schluss: Die “Heilung” eines Bechers

Und jetzt noch einmal etwas vollkommen anderes. Wer schon Pen&Paper-Rollenspiele gespielt hat, kennt es vielleicht: Heilzauber wirken nur bei Lebewesen, der Rest ist Nekromantie oder so lange unmöglich, bis man den Spielleiter in den Wahnsinn getrieben hat. Aber zum Glück hat Asklepios nichts mit Dungeons&Dragons zu tun und so kam es zu folgender Geschichte: Auf dem Weg zum Heiligtum von Epidauros fiel ein Geschirrträger hin und prüfte dann das Geschirr in seinem Rucksack.

Alles schien zerbrochen zu sein, aber besonders der Becher, aus dem sein Herr immer trank, bereitete dem Träger wirklich Probleme. Noch auf dem Weg versuchte er die Scherben wieder zusammenzusetzen als ein Wanderer vorbeikam und anmerkte, dass nicht einmal Asklepios den Becher wieder heil machen könnte. Etwas entmutigt legte der Geschirrträger die Scherben wieder in den Rucksack und setzte seinen Weg fort. Im Heiligtum holte er dann den Becher aber wieder vollkommen intakt aus dem Rucksack und sein Herr beschloss den Becher Asklepios zu weihen und sich selbst einen neuen zu besorgen.

Das soll es mit den Wundergeschichten aus Epidauros gewesen sein. Ich hoffe, dass ihr ein wenig Spaß an diesen skurrilen Geschichten um den bärtigen Mann mit der Schlange (eine Natter, wenn man es genau nimmt) hattet. Lasst mir gerne einen Kommentar da, welche euch davon am besten gefallen hat!